Katharina, 26, Märchen

Fotografie: Malina Opitz

Fotografie: Malina Opitz

“Ein Märchen ist Yoga in Erzählform”, sagt Katharina: “Es entspannt dich und dehnt die Fantasie.” Unzählige Bände und Sammelbücher hat die 26-Jährige bereits angehäuft, am liebsten sind ihr russische Märchen in Reimform, zum Beispiel von Alexander Puschkin, dem größten Dichter des Landes. Ob Märchen nicht eher etwas für Kinder seien? “Von wegen”, sagt Katharina: Einige schienen geradezu für Erwachsene geschrieben, man müsse sich nur darauf einlassen, in eine andere Welt einzutauchen. “Das Tolle ist auch, dass in Märchen alle gleichberechtigt sind: Tiere können sprechen und vertreten eine eigene Meinung und sogar das Böse wird toleriert, weil es für die Geschichte wichtig ist. Die Welt wird so akzeptiert, wie sie ist, mit allen Schattenseiten.” Katharina hat vier Geschichten selbst geschrieben, sie handeln von fliegenden Teppichen und düsteren Seiten, von Gewalt, Liebe, Neid, Freude. “Es hilft mir Dinge besser zu reflektieren. Schließlich sind wir gewissermaßen das, was wir erzählen.”

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Julius Gatermann, 24, Schlittenhunde ausbilden

Fotografie: Malina Opitz

Fotografie: Malina Opitz

Fotografie: privat

Fotografie: privat

“Es war irgendwo in Norwegen. Ich war mit dem Schlitten viele Kilometer weit raus gefahren, als plötzlich das Licht kaputt ging. Es waren minus 25 Grad und meine Ohren verfärbten sich bereits gefährlich blau.” Julius Gatermann, deutscher Meister im Schlittenhunde-Rennen, erzählt von einem seiner prägendsten Ausflüge in Skandinavien. “In diesem Moment konnte ich nichts anderes machen, als mich auf meinen Leithund zu verlassen. Und das war genau richtig: Er fand im Dunkeln durch das riesige Waldgebiet zurück.” Mit diesem Hund verbinde ihn auf ewig etwas.

Der 24-jährige Julius ist Schlittenhunde-Trainer – Und das in Deutschland? Ja! Es gibt sogar Rennen zu Lande, unter anderem in Winterberg und Bayern (snow) und in Borken (off-snow). Trainiert wird von Herbst bis Frühjahr, wenn es kälter als 13 Grad ist. Im Winter geht es für Julius und seine Hunde stets für ein paar Wochen nach Skandinavien, die Schweiz oder nach Österreich für ein authentisches Training und gute Vorbereitung auf die Schneerennen. In Deutschland gäbe es leider keine Preisgelder: Julius arbeitet hauptberuflich als KFZ-Mechatroniker und wird durch Sponsoren in seiner Leidenschaft unterstützt.

Seine Hunde sind Mischlinge aus Huskys (“die Kältebeständigen”) und Jagdhunden (“die Schnellen”). Es gibt 2er, 4er, 6er, 8er und offene (10 und mehr) Hunde-Schlittenklassen. Bei einem 6er sind beispielsweise hinten zwei Krafttiere gespannt, in der Mitte zwei Teamdogs und vorne zwei schnelle Leithunde, die auch lenken. Die Tiere hören auf skandinavische Kommandos, damit sie im Norden austauschbar sind: “Gee” für rechts, “How” für links. Besondere Hoffnung setzt Julius in seine neuen Welpen: “Sie sind aus einer Züchtung von Weltmeister-Hunden, ihre Geschwister wurden nach Portugal und Spanien verkauft. Die Kleinen machen einen super Eindruck und werden wohl zwei ganz Große werden!”

PS.: Mehr Infos rund um Schlittenhunde gibt es hier: http://www.sleddogrevue.de/

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Herzblut fließt! Teil 2: Komparsen


So schnell kann es gehen: Gerade noch beim Shopping in Köln und im nächsten Moment schon am Set des neuen großen Kinofilms mit Moritz Bleibtreu: Wir sind Komparsen! Aus Spontanität und Leidenschaft! Doch so aufregend das Leben als Requisite auch klingen mag, die meiste Zeit verstauben wir in der Ecke. Aufpoliert werden wir erst, wenn es dann tatsächlich irgendwann heißt: “Bitte Ruhe! Wir drehen!” Lippenstift – knallrot, Kleid – knallbunt, Haare – knallgewellt. Zum Handlungsverlauf tragen wir nicht wirklich bei, aber wir stehen auch nicht sinnlos rum: Wir dekorieren das Set! Ohne uns wären Kinofilme unterbevölkert, die Szenen einsam, die Partys öde. Wir machen Filme schön!

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Kristian Kannengießer, 28, Crossover

Kris (Mitte) und Band, Fotografie: Malina Opitz

Kris (Mitte) und Band, Fotografie: Malina Opitz

Crossover ist die Hochzeit von Rockmusik, Metal und einer Unbekannten. Das Genre lässt Spielräume fürs Erleben, Experimentieren und Verändern. Und genau das ist es, was Kristian Kannengießer so fasziniert: „Ich brauche Musik, die sich weiterentwickeln kann. Sonst bleibe ich stehen.“ Kris singt Vocals bei der Band „New Noise Crisis“, die ihre Musik als Selbsttherapie versteht und als Therapie für die Crowd. Bald wollen sie ihr Album „Clockwork Life“ herausbringen, die meisten Songs hat Kris geschrieben. „Mit der Band mache ich wesentlich härterer Songs, verarbeite negative Gefühle“, sagt Kris, „ansonsten versuche ich mich einfach kreativ auszudrücken, Momente einzufangen und Stimmungen zu vertonen.“ 20 Lieder hat er allein in diesem Jahr geschrieben. „Wichtig ist, dass du die Phasen überstehst, in denen dir einfach nix einfällt.“ Wo er mit „New Noise Crisis“ hin will? „Wir sind eine Non-Profit-Band. Wir spielen für Spritgeld, Spaß und Anerkennung. Die Leute in der Branche nehmen sich generell viel zu wichtig.“

„New Noise Crisis“ auf Facebook.

„New Noise Crisis“ auf YouTube:

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Stefanie Häger, 25, Ratten

Fotografie: Malina Opitz

Fotografie: Malina Opitz

Ihh. Ähh. Ekelig. Es gibt kaum ein Tier mit so vielen Vorbehalten: Dreckig, böse und vor allem diese Schwänze! Igittipfui! “Doch, wenn man die Kleinen erst mal sieht, ist es mit den Vorurteilen bald vorbei und man lernt sie lieben”, sagt Stefanie Häger, die drei Ratten in ihrer Wohnung hält: Dina, Farah und Ophelia, die Schüchterne. Freunde und Bekannte hätten die drei Nager längst akzeptiert. “Nur ein Kumpel, der ist Bauer, der kommt nicht drüber weg”, erzählt die 25-Jährige. Weltweit gibt es mehr als 60 Rattenarten, eine davon ist die Farbratte, die sich vom “Punker-Schmuck” zum normalen Haustier aufschwang. Die Farbratte gehört zu den intelligentesten und reinlichsten Haustieren und die Haltung ist mit 10 Euro im Monat vergleichsweise günstig. “Das Tollste ist, wenn ich nach Hause komme und sich mir drei Schnauzen am Käfig entgegen recken. Dann heißt es knuddeln, spielen, Haferflocken knuspern.”

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Jochen Grote, 21, Plugs und Piercings

Fotografie: Malina Opitz

Fotografie: Malina Opitz

Jochen Grote hat zentimetergroße Teller in den Ohren. In Kenia hielten sie ihn deshalb für einen Masai: “Die Afrikaner gaben mir Getränke aus und ich konnte ja schlecht sagen, dass wir solche Plugs nur zum Spaß tragen.” Plugs haben eine lange Geschichte. Schon im antiken Ägypten wurden sie von Männern wie Frauen getragen, bei den Inka dienten sie als Statussymbole aus Gold oder Silber und noch immer sind sie bei indigenen Völkern verbreitet. So schmücken sich die Miao und Hmong in Südostasien beispielsweise mit Plugs aus Elfenbein. Wie das mit den Tellern funktioniert? “Alles beginnt mit einem normalen Ohrring”, sagt Jochen, “dann werden die Löcher nach und nach geweitet. Und das kann höllisch weh tun.” Jochens Ziel sind vier Zentimeter im Durchmesser. Seine Freunde sagen ihm zwar schon lange, dass es reicht, doch für Jochen gehören sie einfach dazu, die “orejones”, die großen Ohren.

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Die neue Serie: Herzblut fließt! Teil I: Rollenspiele

Zum Hintergrund von LARP, hier noch eine Dokumentation vom SWR:

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Rachel Scharnberg, 21, Soul singen

Ein einziges Mal hat sie versucht, ohne Musik auszukommen. Da war sie gerade auf dem Weg in den Urlaub mit drei Sängern. Zehn Minuten hat sie es geschafft, dann wurden die Bravo Charts in den Player geschmissen und die Backstreet Boys schallten durchs Auto. Rachel Scharnberg ist hauptberuflich und hauptherzlich Sängerin. Bei Denyo hat sie schon im Background gesoult und bei Stefanie Heinzmann. Am liebsten tritt sie mit der eigenen Band “Rachel & The Soul Criminals” auf: “Da kann ich meine ganze Kraft und Kreativität entfalten”, sagt die Kölnerin. Ihrer souligen Sensationsstimme war sich Rachel nicht schon immer bewusst; eine Musiklehrerin brachte sie auf die Idee, daraus mehr zu machen. Rachel studierte Jazz, tritt immer wieder auf, gibt ihren englischen Soul zum Besten. “Leben ist Musik”, sagt die 21-Jährige.

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Julian Weimer, 25, Squash

Es ist ein Sport mit Muskelkater-Garantie: Squash. Da verwundert es auch nicht, dass das Wort – aus dem Englischen übersetzt – “zerquetschen” bedeutet. Autsch! Doch die Rückschlag-Sportart ist beliebt wie selten und ich gebe zu: Ich tue es auch ab und zu. Mich auspowern, Grenzen schmecken und diesen kleinen Gummi-Ball wie eine Voodoo-Puppe zu behandeln. Doch mit Wut, Kraft und Emotion ist es allein nicht getan, weiß Squash-Trainer Julian Weimer. “Es braucht Ausdauer und Perfektion. Zehnmal den gleichen Schlag auszuführen, ist sehr viel schwerer, als es klingt.” Im Court spielt man meist zu zweit. Ziel des Spiels ist es, den Ball so zu schlagen, dass der Gegner ihn nicht mehr erreichen kann, bevor er zum zweiten Mal den Boden berührt. “Es ist wichtig, den Gegner zu beobachten und selbst abwechslungsreich zu spielen. Wer überraschen kann, der siegt”, sagt Julian. Der 25-Jährige spielt seit seiner Jugend im Verein und gibt seit einigen Jahren selbst Training. Warum ihn gerade Squash fasziniert? “Schön nach Feierabend und all dem Rumsitzen ein-zwei Stunden richtig Gas geben, das ist einfach das Größte. Danach bin ich platt und zufrieden.”

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Rudolf Franzen, 57, Schmiedekunst

Es funkt, es blitzt, es zuckt, es glüht: In Franzens Schmiede ist immer etwas los. Rudolf Franzen lebt vor, wie es ist, wenn Beruf und Hobby verschmelzen. Auch nach Feierabend bastelt der Herzblut-Schmied aus Metallen Figuren, Trophäen, Kunst. Gelernt hat er die Schmiedekunst von seinem Vater; die Werkstatt ist ein Familienbetrieb, wie es sie so kaum noch gibt. “Im Dorf stammen so ziemlich alle Metallarbeiten aus unserer Schmiede – Wer was braucht, kommt zu uns.” Das Dorf heißt Ediger-Eller und liegt am Fuße des Calmont an der Mosel. “Früher haben wir hier auch Traktoren und große Geräte der Landwirtschaft repariert, aber das übernehmen heute größere Betriebe. Wir machen dafür Geländer, Türen, Treppen und spitzen stumpf gewordene Arbeitsgeräte wieder an.” Ich frage ihn, ob er sich je gewünscht habe, einen anderen Beruf zu ergreifen oder raus aus der rheinland-pfälzsichen Provinz hinein in die große Welt zu ziehen. Die Pause ist lang, der Ofen glüht, die Antwort kommt mit Kraft: “Nein. Nie.”

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